5. Februar 2011

Leiharbeit - Wie weiter?

v.l.n.r. Helge Lewerenz (Rechtsanwalt, IG BAU), André Lüderitz (MdL, DIE LINKE), Dr. Elisabeth Martin (DGB) und Rüdiger Waller (NGG)

Um Antworten auf diese Frage zu bekommen, nahmen etwa 40 Frauen und Männer das Informationsangebot zur Leiharbeit an und besuchten das Forum der LINKEN und der Gewerkschaften am letzten Sonnabend in Wernigerode. Dementsprechend vielfältig waren auch die aufgeworfenen Problemstellungen.
Die Grundlage zur Diskussion lieferten mit ihren Ausführungen Landtagsmitglied André Lüderitz, Rechtsanwalt Helge Lewerenz und Frau Dr. Elisabeth Martin vom DGB.

Zentraler Punkt war die Frage, wie die Betroffenen, für die in der Vergangenheit ein Tarifvertrag mit einer Christlichen Gewerkschaft maßgeblich war, zu ihrem Recht kommen können. Es geht darum, dass wegen der Nichttariffähigkeit dieser Scheingewerkschaft die Lohndifferenz zu den Festangestellten Kollegen der Firmen rückwirkend eingeklagt werden können. Dabei handelt es sich unter Umständen um eine Lohndifferenz von Tausenden Euro.

Herr Lewerenz machte deutlich, dass jeder für sich selbst prüfen muß, ob er diesen Weg beschreitet. Gewerkschaftsmitglieder haben Anspruch auf die Rechtsvertretung durch ihren Verband. Auch eine Rechtsschutzversicherung kann eventuell zum Tragen kommen.

Wer diese Möglichkeit nicht hat, kann auch den Weg der privaten Klage über das Arbeitsgericht oder einen Rechtsanwalt mit den damit verbundenen Kosten wählen.

In jedem Falle muß zuvor die Lohndifferenz zu den festangestellten Kollegen geklärt werden. Dafür hat der Einzelne ein Auskunftsrecht. Bei Erfolg des Rechtsweges gibt es nicht nur die Lohndifferenz ausgezahlt, auch die Rente wird sich damit verbessern.

Der Verlauf der Diskussion machte weitere Probleme deutlich, die mit der Leiharbeit zusammenhängen. Arbeitszeiten von 12 Stunden an 7 Wochentagen, Umgang mit Zeitarbeitskonten, Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes oder Dauer der Leiharbeitsverhältnisse. Es wurden Beispiele genannt, wo Kollegen bereits bis zu 13 Jahren als Leiharbeiter tätig sind, sogar immer im gleichen Unternehmen.

Sorgen machen sich viele um den Arbeitsplatz und die Lohnentwicklung, wenn nach dem 01. Mai 2011 die europaweite Arbeitnehmerfreizügigkeit wirkt.

André Lüderitz nannte noch einmal die aktuellen Forderungen der LINKEN: gleiche Bezahlung ab dem ersten Arbeitstag, Befristung von Leiharbeit auf 3 Monate und Einführung eines Risikoaufschlags von 10% auf den Stundenlohn.

Rüdiger Waller von der NGG wies daraufhin, dass starke Gewerkschaften die Leiharbeit verändern können.

Am Ende der Veranstaltung bildeten sich individuelle Gesprächsgruppen. Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter tauschten sich untereinander aus, richteten Fragen an die Gewerkschafter und die Vertreter der LINKEN. Mehrfach wurde zum Ausdruck gebracht, dass der Informationensaustausch eine gute Entscheidungsgrundlage für Betroffene ist und eine konkrete Hilfe darstellt. Viele Anwesende vertraten auch Kolleginnen und Kollegen und werden mit ihnen weiter diskutieren.