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Borkenkäferbekämpfung im Harz

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Ich muss meinem Vorredner doch etwas Recht geben. Der Antrag war schon etwas grenzwertig. Trotzdem, Herr Hauser, kann ich Ihnen signalisieren: Wir können dem durchaus zustimmen.
Natürlich sollte er auch im Umweltausschuss behandelt werden. Er hätte genauso gut – das sage ich auch mit aller Deutlichkeit - als Selbstbefassungsantrag im Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten oder im Umweltausschuss gestellt werden können. Aber ich denke, das wissen Sie selbst am besten.
Ein zweites Aber muss ich hier auch noch anführen.
Herr Hauser, Sie haben zu Recht auf die saubere Waldwirtschaft abgehoben. Aber das konterkariert natürlich den Beschluss zur Forststrukturreform, den die FDP-Fraktion damals in Koalitionsverantwortung mitgetragen hat. Denn die Forststrukturreform hat in meinen Augen wesentliche Grundlagen dafür gelegt, dass genau diese saubere Waldwirtschaft gegenwärtig infrage gestellt wird. Sie haben es selber angesprochen. Da sind die langen Entscheidungswege, die wir gegenwärtig haben, und - man muss es auch so deutlich sagen - es ist das fehlende Personal vor Ort, also die Waldarbeiter in den Revieren.
Saubere Waldwirtschaft, denke ich, ist die einzige Möglichkeit, den Borkenkäferbefall rechtzeitig vor der flächenmäßigen Ausbreitung zu bekämpfen. Dabei geht es a) um die zeitgerechte Sanierung des frischen Befalls vor dem Ausflug der Jungtiere, also an Einzelstandorten im Wald, und b) um die effektive lokale Abschöpfung der fliegenden Käferpopulationen mithilfe von Fangsystemen. Auch dazu brauche ich Waldarbeiter vor Ort in einzelnen Flächenbereichen. Gegenwärtig beschränkt man sich darauf, nach einer breiten Invasion des Borkenkäfers die Schäden zu bekämpfen.
Eines kann ich als Bewohner des Harzes, des Nordharzrandes deutlich sagen: Man kann dem Landesforstbetrieb nicht unterstellen, dass er gegenwärtig nicht auf der Höhe der Zeit sei. Das hat auch die Anhörung im Umweltausschuss deutlich gemacht. Ich kann Herrn Bauling nur unterstützen: Ja, der Landesforstbetrieb hat seit  2008 in seinem Bereich die Borkenkäferkalamität durchaus im Griff. Das muss man mit aller Deutlichkeit sagen.
Aber wir haben sehr große Probleme in kleinen Kommunalwäldern, in kleinen Privatwäldern und vor allem auf den BVVG-Flächen. Das hängt auch damit zusammen, dass zum Beispiel das Betreuungsforstamt für den Nordharzrand in Wippra sitzt. Das ist ein sehr langer Weg, um vor Ort Entscheidungen zu treffen. Das sind durchaus Probleme, die wir haben, Herr Daldrup.
Wenn wir uns das angucken, wird deutlich, dass auch mancher große Privatwaldbesitzer nicht daran interessiert ist, eine Einzelbekämpfung durchzuführen, sondern er wartet, bis der großflächig Kahlflächen anlegen kann, die er viel besser vermarkten kann. Das sind durchaus Probleme. Deshalb, finde ich, wäre eine zeitnahe Berichterstattung in Ausweitung dessen, was wir im Umweltausschuss gehört haben, notwendig. Ich gebe Herrn Bergmann Recht, das war recht umfassend. Ich komme auch zu dem gleichen Schluss, was den Nationalpark betrifft. Hier geht es um die Flächen, die weiter ostwärts liegen, also in dem östlichen Teil unseres Harzes, in den drei Problembereichen, die ich genannt habe. Deshalb wäre eine zeitnahe Berichterstattung zumindest in den beiden genannten Ausschüssen durchaus noch einmal sinnvoll.
Es sollte auch noch eine Auswertung der Anhörung erfolgen. Auch das hat der Umweltausschuss bisher nicht geleistet. Deshalb meine ich, sollten die Koalitionsfraktionen diesen Antrag heute ablehnen, so sollten wir ihn im Rahmen des Selbstbefassungsrechts stellen und dann in den beiden Ausschüssen behandeln.

Danke.